Einladung zu einer Andacht zuhause – statt Gottesdienst (29.03.2020)


 

Liebe Gemeindeglieder in Wildentierbach, Rinderfeld, Wermutshausen und Oberstetten,

 

Wie geht es Ihnen?    - Das derzeitige Kontaktverbot ist nicht leicht, vor allem für alleinlebende Menschen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt zusammenhalten und einander helfen. Wenn ich als Pfarrer oder wir von der Kirchengemeinde Ihnen in irgendeiner Weise helfen können, dann zögern Sie nicht, im Pfarramt anzurufen!      


Außerdem ist es wichtig, dass wir füreinander beten. Deshalb lade ich Sie auch diesen Sonntag wieder ein, eine Andacht zuhause zu lesen. Um 10 Uhr am Sonntagvormittag werden dazu wieder die Glocken läuten. Die Landeskirche lädt außerdem ein, jeden Abend einen Moment innezuhalten und zu beten. Schon seit Jahrhunderten läuten dazu abends die Glocken. (Je nach Gemeinde um 19 oder um 20 Uhr.) Es ist doch eine gute Gelegenheit, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen!

 

Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen und seine Bewahrung!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.

 

Obwohl unsere Kirchen geschlossen sind, wollen wir an diesem 5. Sonntag der Passionszeit, am Sonntag „Judika“, miteinander vor Gott kommen. Wir beten:

 

Psalm:            46                                (Gesangbuch Nummer 725)

 

Lied:               97, 1 - 6                      Holz auf Jesu Schulter

 

Predigttext:               Hebräer 13, 12-14

 

            „Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

 

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

 

Moment mal! – Diesen Satz, den kennen wir doch von Beerdigungen und von Trauerfeiern: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“   - Ist das jetzt angemessen als Predigttext? Ist dieser Satz in Zeiten von Corona, angesichts der Bilder aus Italien und Spanien von vielen hundert Todesopfern, nicht schon fast makaber? Wir wollen doch jetzt nicht vom Tod reden und vom Himmel, - von der „besseren Stadt“, die auf uns wartet.

            Aber auf den zweiten Blick steckt doch auch viel Trost in diesen Versen aus dem Hebräerbrief.  Ja, die „bleibende Stadt“, damit ist die Ewigkeit gemeint; unsere wahre Heimat als Christinnen und Christen; der Ort der ewigen Freude, an dem unser Heiland auf uns wartet. Dieser Glaube an einen besseren Ort hat schon vielen Kranken, Verzweifelten und Sterbenden Trost gebracht. Er kann aber auch uns Gesunden neuen Mut und Hoffnung geben!

 

            Ist es nicht gerade jetzt gut zu wissen, dass wir als Christen eine Heimat haben, die nicht von dieser Erde ist? Ist es nicht gerade jetzt, da alles so unsicher geworden ist und uns die Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins vor Augen geführt wird, gut zu wissen, dass unsere Sicherheit und unser Halt nicht von dieser Welt ist? Ist es nicht gerade jetzt, da die Welt scheinbar ins Wanken gerät (vgl. Psalm 46), gut zu wissen, dass unser Leben von höherer Stelle aus geführt und bewahrt wird?

 

            Schon immer waren Christen dazu aufgefordert, nicht zu sehr an dieser Welt zu hängen, sondern vielmehr auf den Schöpfer zu vertrauen, der größer ist als alles Sichtbare, das uns umgibt. Schon immer waren Christen dazu aufgefordert, ihr Herz nicht zu sehr an das Vergängliche zu hängen, sondern vielmehr Gott zu lieben und „Schätze im Himmelreich“ zu sammeln. Auch der Schreiber des Hebräerbriefs redet davon. Er sagt: So, wie Jesus „draußen vor dem Tor“ gelitten hat, also abseits vom großen Getümmel, weg von dem Ort, an dem die Mehrheit der Menschen ihrem Leben nachging, - so sollen auch wir „hinausgehen vor das Lager“.  -  Es ist also ein Aufruf dazu, sich nicht am Maßstab der Menschen zu messen, nicht mit dem Strom zu schwimmen, sondern vielmehr dem Beispiel Jesu zu folgen. – Auch wenn uns das zu Außenseitern macht und wenn es bedeutet, „seine Schmach“ mittragen zu müssen.

 

            Die Coronakrise zeigt: So stabil, wie wir dachten, ist unsere moderne Welt gar nicht. Die Globalisierung, von der viele profitiert haben, ist uns nun zum Verhängnis geworden. Die moderne Technik und die Wissenschaft können uns nicht (zumindest noch nicht) helfen!

 

            Wie gut, wenn unsere Hoffnung nicht auf diese Welt gebaut ist! Und wie gut, wenn unsere eigentliche, innere Heimat nicht verlorengeht, auch wenn die Welt um uns herum zusammenbrechen sollte!

 

            Diese himmlische Heimat hat Jesus für uns erkauft, als er am Kreuz von Golgatha für uns gestorben ist. Er hat die Tür geöffnet, die zuvor verschlossen war. Er hat als Opferlamm für alles bezahlt, was uns von Gott bisher getrennt hatte. Das meint der Hebräerbrief mit der Aussage, dass Jesus sein „Volk heiligte durch sein Blut“. – Dieses tiefe Geheimnis, dass durch das Leiden eines Einzigen das Heil der ganzen Welt erkauft wurde, feiern wir normalerweise an Karfreitag und an Ostern. Wer diesem Heiland im Glauben nachfolgt, dem wird auch die Tür zur neuen Heimat geöffnet. Der darf sein Leben auch festmachen an der Hoffnung, die nicht von dieser Welt ist!

 

            Macht uns diese Hoffnung zu weltfremden Spinnern? Führt sie dazu, dass wir uns nichtmehr um unsere Mitmenschen kümmern und uns nur noch auf das Jenseits vertrösten lassen, wie manche Menschen behaupten?     -    Zum Glück nicht! Das zeigen auch die nächsten Verse im Hebräerbrief (13, 15-16). Dort heißt es: „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.                     Wer mit der Hoffnung auf das ewige Leben lebt, der kann schon jetzt und hier frei von Angst und Sorgen leben. Wer nach der „zukünftigen Stadt“ sucht, der kann schon jetzt und hier die Hoffnung und die Zuversicht weitergeben, die Jesus uns schenkt. Wer im Frieden mit Gott lebt, der kann und soll auch im Frieden mit seinen Nachbarn leben.

 

            Deshalb: lassen wir uns trösten in dieser schweren Zeit durch das Wissen, dass wir an anderer Stelle eine „bleibende Stadt“ haben! Tun wir einander Gutes, weil Jesus uns Gutes getan hat! Und haben wir keine Angst, denn unser Dasein (im Diesseits und Jenseits) steht in Gottes Hand!                   Amen.

 

 

Lied:               574                  Nichts soll dich ängsten

 

Gebet:            Ewiger Gott,

Du hast uns erschaffen und in deiner Hand steht unser ganzes Leben - vom ersten Tag an bis zum letzten. Was auch geschieht, wir sind bei dir geborgen und von dir getragen. Hab Dank, dass du uns eine Heimat schenkst, die nicht von dieser Welt ist. Und einen Halt und eine Sicherheit, die keine Krise dieser Welt zerstören kann.

 

Wir bitten dich auch heute für alle Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, oder die schon einen lieben Menschen verloren haben. Wir bitten dich für die Ärzte und für das Pflegepersonal. Wir bitten dich für unsere Politiker und für die Wissenschaftler. Wir bitten für diejenigen, die jetzt in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind und für die, die zuhause einsam sind: Sei ihnen nahe in dieser Krise und segne sie. Wehre dieser Krankheit und beende sie bald!       

 

Gemeinsam beten wir:  Vater unser im Himmel…

 

           

Segen:        In dieser Zeit der Unsicherheit wollen wir uns ganz bewusst unter Gottes Segen stellen:

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr

erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.     Amen.

 

 

Einladung zu einer Andacht zuhause – statt Gottesdienst (22. März 2020) mit Pfarrer Frank

 

Liebe Gemeindeglieder in Wildentierbach, Rinderfeld, Wermutshausen und Oberstetten,

 

So etwas gab es noch nie – nicht einmal im Krieg: Die Kirchen sind geschlossen, Gottesdienste wurden verboten. Viele Menschen sind verunsichert, was noch werden wird und wann es endlich wieder „normal“ wird.      Gerade in dieser Zeit wollen wir einander nicht alleine lassen, sondern zusammenstehen, einander helfen und auch gemeinsam unseren Glauben leben. Auch wenn wir uns nicht zum Gottesdienst treffen dürfen, können wir doch aneinander denken und füreinander beten. Wir brauchen keine Angst zu haben, denn Gott ist bei uns! – Er wird uns auch durch diese schwere Zeit sicher hindurchführen!           Anstatt eines Gottesdienstes lade ich Sie ein, am Sonntagmorgen diese Andacht zu lesen – entweder allein oder im Kreis Ihrer Familie. Sie brauchen dazu nur ein Gesangbuch. Wir werden am Sonntag in allen vier Gemeinden um 10 Uhr die Glocken läuten, zum Zeichen, dass (trotz Corona) Christinnen und Christen miteinander verbunden sind und gemeinsam beten.      Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen und seine Bewahrung!

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.

 

Obwohl unsere Kirchen geschlossen sind, wollen wir doch an diesem 4. Sonntag der Passionszeit, am Sonntag „Lätare“, miteinander vor Gott kommen. Wir beten:

 

Psalm:       91                        (Gesangbuch Nummer 736)

 

Lied:          396, 1-3 + 6                Jesu, meine Freude

 

Predigttext:                 Matthäus 26, 36-41

 

         „Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete. Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir!                   Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!               Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“

 

Jesus hat Angst. – Todesangst sogar. Er „fing an zu trauern und zu zagen“, heißt es. Er wusste ganz genau, was auf ihn zukam: Er wusste, dass er verhaftet, gefoltert und schließlich grausam hingerichtet werden würde. Er verbringt seine letzte Nacht im verzweifelten und unruhigen Gebet zu Gott.       - Wie gut wäre es da für ihn gewesen, wenn er seine Freunde an seiner Seite gewusst hätte. Wie tröstlich wäre es gewesen, wenn er gewusst hätte, dass sie mit ihm beten. Aber was tun die Jünger? – Diese Männer, die so lange Zeit mit ihm verbracht hatten. Die noch kurz zuvor behauptet hatten, sie würden immer zu ihm halten. – Sie schlafen und lassen Jesus in seiner höchsten Not allein.

 

Wie oft haben wir diese Geschichte schon gehört? Jedes Jahr vor Ostern hören wir in der Kirche von Jesu Gebet im Garten Gethsemane und von seiner anschließenden Verhaftung. Aber wahrscheinlich ist uns diese Erzählung noch nie so nahe gegangen wie heute. Jetzt ist sie ganz aktuell: Denn auch vielen von uns steckt die Angst in den Knochen. Oder zumindest die Verunsicherung und das Gefühl, einem unaufhaltsamen Prozess hilflos ausgeliefert zu sein. Wahrscheinlich können wir uns in diesem Jahr sehr gut mit Jesus identifizieren.

 

         Wie verhält er sich in dieser gefährlichen Lage?  - Er weiß, was kommen wird, aber er ergreift nicht die Flucht. Er hamstert nicht Lebensmittel und Waffen und verschanzt sich irgendwo. Er wird nicht wütend auf Gott und die Welt. Sondern: Er betet! Er sucht Zuflucht im Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Er lässt sich trösten und sich Mut zusprechen von dem, der alle Dinge in der Hand hält. Und so weiß er, dass er doch nicht allein ist! Auch wenn seine Freunde schlafen, Gott wacht doch über ihm! Auch wenn alle anderen Sicherheiten schwinden, der Gott des Himmels und der Erde verlässt ihn nicht. Auch nicht im schwersten Leiden.

 

         Auch wir dürfen in unserer derzeitigen Krise dem Beispiel Jesu folgen: Auch wir dürfen uns unserem himmlischen Vater anvertrauen und für uns selbst, für unsere Verwandten, für Ärzte und Wissenschaftler und für alle Menschen dieser Welt beten. Auch wir sind nicht allein! Auch wir können bei Gott Trost und Hoffnung finden.  – Jesus ermahnt seine Jünger, nachdem er sie aufgeweckt hat: „Wachet und betet!“   -  Auch das gilt uns! – Wir sollen wachsam sein, also nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir sollen wachsam sein, indem wir uns informieren und alles Nötige tun, um Schaden von unseren Mitmenschen abzuwehren. Wir sollen wachsam sein, indem wir auch uns selbst schützen und jedes unnötige Risiko der Ansteckung vermeiden. Wir sollen nicht wie die Jünger sein, die schlafen und die gefährliche Situation gar nicht wahrnehmen, sondern wir sollen füreinander da sein und einander helfen. Und vor allem sollen wir beten!

 

         Das Gebet, das Jesus betet, zeugt von einem tiefen Gottvertrauen: „Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ 

 

Dieses Gebet können wir heute direkt übernehmen: In Gottes Hand stehen alle Dinge. Er kann alles wenden. Er ist die richtige Adresse, um für ein Ende dieser Krise zu beten. Aber letzten Endes müssen wir darauf vertrauen, dass sein Wille geschieht. Denn sein Wille ist gut und gerecht, auch wenn es manchmal vielleicht nicht danach aussieht. Vertrauen wir darauf, dass er es gut mit uns meint und dass er uns sicher und behütet aus dieser Situation herausführen wird. Vertrauen wir darauf, dass er uns nicht verlässt und dass er am Ende alles zum Guten kehrt.                   Amen.

 

 

Lied:                   171, 1-4    Bewahre uns, Gott

 

Gebet:        Barmherziger Gott,

Wir haben Angst - doch du bist bei uns. Wir wissen nicht, was noch kommen wird - aber du weißt es wohl. Wir sind unsicher - aber du willst uns Zuversicht und Hoffnung geben. Wir bitten dich: Sei du unser starker Fels und unsere Burg, zu der wir fliehen können. Gib uns den Glauben und das Vertrauen, dass du alle Dinge in der Hand hältst und dass du sie zum Guten wenden wirst.  Dein Wille geschehe! Denn wir wissen, dass du nur Gutes mit uns im Sinn hast.

Wir bitten dich für alle Menschen, die von dieser Krise besonders hart betroffen sind: Die Infizierten und die Isolierten, die Ladenbesitzer und die finanziell Geschädigten, die Angehörigen der Verstorbenen und die Einsamen. Wir bitten dich für alle älteren Menschen und alle besonders Gefährdeten: Bewahre sie vor Ansteckung. Wir bitten dich für die Ärzte und das Pflegepersonal: Gib ihnen Kraft und Ausdauer. Hilf uns, in dieser Notsituation zusammenzustehen und einander zu helfen! Wehre dieser Krankheit und beende sie bald!

 

Gemeinsam beten wir:  Vater unser im Himmel…

 

        

Segen:        In dieser Zeit der Unsicherheit wollen wir uns ganz bewusst unter Gottes Segen stellen:

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.     Amen.