„Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24) - Jahreslosung 2020 -

 

Es ist bereits zwei Uhr nachts und sie kann noch immer nicht einschlafen. Unruhig wälzt sie sich im Bett hin und her. Ihre Jungs sind noch nicht nach Hause gekommen. Eigentlich sollten sie schon lange zurück sein. Sie macht sich Sorgen. Es wird doch nichts… Eigentlich sind die beiden ja verantwortungsbewusst… Sie passen immer auf und fahren nicht betrunken Auto. Aber man weiß ja nie… Sie betet um Gottes Schutz. Sie glaubt, dass Gott sie und ihre Familie behüten kann. Aber was, wenn vielleicht doch etwas passiert ist? Wenn Gott doch nicht aufgepasst hat?

 

Er sitzt nervös im Wartezimmer des Arztes. Gleich wird er die Diagnose seiner Untersuchung zu hören bekommen. Was wird wohl dabei herauskommen? Wird sein Leben je wieder das selbe sein? Was wird passieren, wenn es eine schlechte Nachricht gibt?  -  Er glaubt an Gottes Beistand und innerlich schreit er zu Gott um Hilfe. Aber hört Gott ihn wirklich? Dringt sein Gebet wirklich durch bis an Gottes Ohr? Oder bleiben seine Worte ungehört und ist er in seiner Verzweiflung allein?

 

Vertrauen und Zweifeln.

Hoffen und Verzagen.

Glaube und Unglaube.

 

 

So oft liegen diese Gegensätze in unserem Leben sehr nahe beieinander. Wer ist sich schon immer in allem ganz sicher? Wer hat schon durchgehend festen Glauben und kann immer auf Gottes Allmacht und Barmherzigkeit vertrauen?

 

Wie gut, dass unsere Jahreslosung beides miteinander verbindet. Beides gehört irgendwie zusammen, das Sicher-sein und das Fragen-haben. (Und besser, wir gehen ehrlich mit unseren Zweifeln um, als dass wir versuchen, Gott und den Menschen etwas vorzumachen.)

 

Die Jahreslosung zeigt: Zweifel sind erlaubt. Sie gehören zum Leben dazu. Solange wir auf dieser Erde leben, sind wir immer solchen Anfechtungen ausgeliefert. Unser Reformator, Martin Luther, sagt sogar: „Anfechtung ist die notwendige Kehrseite des Glaubens. Wer nicht angefochten wird, kann auch nicht glauben.“ Dabei wusste er: Der Zweifel muss uns immer wieder zurück zu Gott treiben! Nur er kann uns neuen Glauben und neue Festigkeit geben.

 

Das hat auch der Mann erfahren, der diese Worte der Jahreslosung ursprünglich gesprochen hat. Er war ein Vater, der mit seinem schwerkranken Sohn zu Jesus gekommen war. Er war sich nicht sicher, ob das wirklich so eine gute Idee war, diesen Wunderheiler aufzusuchen, der von sich selbst behauptete, Gottes Sohn zu sein. Er war sich nicht sicher, ob dieser Jesus wirklich die Kraft Gottes hatte, Menschen gesund zu machen. – Aber er will doch glauben! Er will seine Zweifel und seine Skepsis überwinden und will Jesus vertrauen. Deshalb tut er das einzig Richtige. Er ruft Jesus zu: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 

Manchmal müssen auch wir dieses Gebet sprechen.

Wenn uns einmal der Glaube davon zu schwimmen droht oder wenn Angst und Sorgen wieder einmal größer sind als unser Gottvertrauen; wenn schwere Schicksalsschläge unser Leben auf den Kopf stellen oder wenn wir uns einfach nicht mehr so sicher sind, ob das mit Gott und der Bibel wirklich alles stimmt, dann kann uns dieser einfache, aber doch so kraftvolle Hilfeschrei helfen, den Gott in keinem Fall ignorieren wird!

 

 

Übrigens: Was Martin Luther immer wieder geholfen hat in seinen Zweifeln, das war ein anderer ganz einfacher Satz, nämlich: „Ich bin getauft“. – Ich bin getauft, ich gehöre zu Gott, er wird mich niemals im Stich lassen!

 

 

Mit dieser Gewissheit dürfen wir immer wieder – das ganze Jahr 2020 über und natürlich auch danach - rufen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 

 Ihr Pfarrer Dominik Frank