Ostergruß

Eines Tages kam einer,

der hatte eine Klarheit in seiner Stimme,

eine Wärme in seinen Worten,

eine Kraft in seiner Botschaft.“

 

Dieses neue Osterlied haben wir beim Vespergottesdienst an Palmsonntag miteinander gesungen.  (Im neuen Liederbuch Wo wir dich loben Nr 34)


„Eines Tages kam einer…“ – Damit ist natürlich Jesus gemeint. Er trat auf wie kein Anderer vor ihm. Die Menschen horchten auf, als er zu reden begann, denn so etwas hatten sie noch nie gehört. So persönlich hatte noch keiner von Gott geredet. „Sie verwunderten sich über seine Lehre, denn er predigte mit Vollmacht,“ heißt es im Lukasevangelium (4, 32).


Damals wie heute ist die Botschaft Jesu erstaunlich: Er sprach von Gott wie von einem liebenden Vater. Nicht wie von einer abstrakten Idee oder von einem philosophischen Konzept, sondern wie von einer realen Person. Wie von einem Vater, der Ansprüche an seine Kinder stellt, wie sie leben sollen; der aber auch schnell zur Vergebung bereit ist.

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte einen Geist in seinen Taten,

eine Treue in seinen Leiden,

einen Sinn in seinem Sterben.“

 

Aber nicht nur um zu reden kam Jesus und um Wunder zu tun, sondern er kam auch um zu Sterben. Und sein Sterben hatte einen Sinn. Nicht alle hörten seine Botschaft gerne und am Ende ging er sogar in den Tod für sie. Aber gerade im Sterben machte er als Gottes Opferlamm die Vergebung erst möglich. Und versöhnte so Gott und Mensch auf ewig. Und gab sein Leben „als Lösegeld für viele“ (Markus 10, 45).

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte einen Schatz in seinem Himmel,

ein Leben in seinem Tode,

eine Auferstehung in seinem Grabe.“

 

Wir feiern Ostern, weil Jesus Christus nicht im Grab geblieben ist! Weil er den Tod besiegt hat und zu neuem Leben auferstanden ist. So wie auch alle, die an ihn glauben, eines Tages zu neuem Leben auferstehen werden. Deshalb ist Ostern das Fest der Freude! Deshalb tragen alle Christinnen und Christen einen Schatz der Hoffnung in ihrem Herzen. Weil wir wissen, dass der Tod nicht das Ende ist. Und dass Leid und Trauer in diesem Leben nicht das letzte Wort haben werden.

 

Christ zu sein bedeutet Optimist zu sein! Weil wir heute schon wissen dürfen, dass am Ende alles gut wird. Weil unser guter Gott alles gut machen wird!

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte eine Freude in seinen Augen,

eine Freiheit in seinem Handeln,

eine Zukunft in seinen Zeichen.“

 

Wer mit dieser österlichen Hoffnung lebt und wer sich anstecken lässt von der christlichen Freude, der ist auch selbst wie einer, dessen Augen vor Glück strahlen können; und der Freiheit hat in seinem Handeln; und der eine Zukunft hat, auf die er getrost zugehen kann.

 

Ich wünsche es uns, dass wir als Gemeinde solche Menschen sind, die die Osterfreude im Herzen spüren und sie auch hinaus in die Welt tragen. Die sich begeistern lassen von dem, was Gott an uns und unserer Welt getan hat. Und die andere Menschen in ihrem Leid besuchen, um ihnen die frohe Botschaft von der Versöhnung und von der neuen Hoffnung zu bringen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ - Jahreslosung 2019 -

Mucksmäuschenstill sitzt der Jäger auf seinem Hochsitz, das Gewehr im Anschlag. Nur das leise Knistern welker Blätter ist zu hören. Die Dämmerung zieht langsam herauf. Es ist kühl im Wald.  - Von all dem spürt der Jäger aber nichts. Sein Blick ist stramm auf den kapitalen Rehbock gerichtet, der da gerade auf die kleine Lichtung getreten ist und beginnt, das Lockfutter zu fressen. Was für eine schöne Beute!

Schon krümmt sich der Finger am Abzug, da horcht der Bock plötzlich auf und ist mit einem gewaltigen Satz wieder im Unterholz verschwunden. – Die Jagd ist misslungen! Das Ansitzen war wieder einmal erfolglos.

 

Wenn wir hinausblicken in die Welt – auf die Kriege und auf die Krisen unserer Zeit; auf das, was schiefläuft in der Politik, in unserer Gesellschaft, in der Kommune oder auch in der Kirche – da könnte man schon manchmal die Hoffnung auf den Frieden verlieren. Warum schaffen wir Menschen es einfach nicht, dass Völker und Nationen, Alte und Junge, Männer und Frauen miteinander in Frieden und Harmonie zusammenleben können?

Vielleicht geht es uns ganz ähnlich, wenn wir auf unser Privatleben schauen: Dass auch da unsere Jagd nach dem Frieden – unsere Anstrengung, unser Suchen, unsere Kompromissbereitschaft, unser Springen über den eigenen Schatten – immer wieder zu scheitern scheint. Da ist der Nachbar, der jedes Mal wieder Streit sucht; Die Tochter, der Bruder oder die Cousine, zu denen es einfach nicht mehr gelingt, einen guten Draht aufzubauen; der Arbeitskollege der einem ständig eins auszuwischen versucht; die Krise in der Ehe, die schon seit Jahren schwelt.

Wer sich mit der Jagd auskennt, der weiß: Es ist normal, dass die Jagd nicht schon mit dreißig Minuten Ansitzen erledigt ist. Jagen bedeutet Arbeit. Sie erfordert Geduld und Durchhaltevermögen (und ein bequemes Sitzkissen).

Wer dem Frieden nachjagt, der braucht auch einen langen Atem.

Jesus wurde einmal von Petrus gefragt: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“ Und Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18, 21+22).

Wie oft haben wir versucht, mit dem Bruder, mit dem wir verstritten sind, wieder Kontakt aufzunehmen? War es siebenmal?

Wie oft haben wir versucht, uns mit dem zänkischen Nachbarn zu vertragen oder den Streit in unserer Ehe beizulegen? – Nicht nur siebenmal sollen wir es versuchen, sondern „siebenmal siebzigmal“ sagt Jesus. Damit meint er: unendlich oft.

 

Warum schaffen wir Menschen es nicht, dauerhaft Frieden mit allen Anderen zu halten – sowohl auf globaler Ebene, wie auch im Privaten? – Letzten Endes schaffen wir es nicht, weil keiner von uns (auch der Beste nicht) ganz frei ist von Selbstsucht und von Egoismus. Und darin liegt der Same der Zwietracht.

Und deshalb ist die Frohe Botschaft des Christentums so wichtig! Auch heute noch! Es ist wichtig, dass Gott uns in Jesus Christus alle unsere Schuld und unsere Fehler und unsere Selbstbezogenheit wegnimmt, die unsere Beziehungen zu Gott und zu unseren Mitmenschen belasten.

Christus ist unser Friede“, heißt es in Epheser 2,14. - Wer Christus hat, der hat quasi seinen Jagdschein in der Tasche. Der weiß, dass er früher oder später, mit ein wenig Geduld und mit Gottes Beistand, den Frieden fangen und erleben wird.

 

Und so wünsche ich Ihnen für 2019: Viel Geduld, Unermüdlichkeit im Versuchen und im Nachjagen des Friedens, Gottes Segen und natürlich: Weidmannsheil!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Seht, die gute Zeit ist nah...

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ (Galater 4,4)

 

 Du liebe Güte, wo ist nur die Zeit geblieben“, denke ich, wenn ich in den Kalender schaue. „Schon wieder ist es Advent. Und schon wieder ist das Jahr beinahe vorbei.“

 

Zeit ist ein kostbares Gut. Gerade jetzt vor Weihnachten. Oft zerrinnt sie nur so zwischen unseren Händen und wir fragen uns, wo die Stunden, Tage und Jahre geblieben sind. Der „Strom der Zeit“ scheint oft unvorhersehbar und chaotisch zu fließen und keiner weiß, was „die Zeit bringen mag“.

 

Bei Gott ist das zum Glück anders. Bei Gott gibt es keine Terminkollisionen und keine ausgebuchten Tage. Ihm geht nie die Zeit aus und er verliert nie den Überblick. Im Gegenteil. „Meine Zeit steht in deinen Händen“, heißt es im bekannten Lied nach Psalm 31. Gott hat die Zeit geplant, sie tickt nach seiner Uhr. Gott ist der Herr der Geschichte – der Weltgeschichte und auch meiner ganz persönlichen Geschichte.

 

Und auch wenn diese Geschichte (die Weltgeschichte oder meine ganz private) manchmal sehr chaotisch und unübersichtlich erscheinen mag, Gott spricht da immer wieder sein göttliches „ABER“ hinein: „Als aber die Zeit erfüllt war…

 

Das zeigt: Gott hat einen Zeitplan. Die Weltgeschichte tanzt nach seiner unsichtbaren Pfeife. Mitten ins Chaos sendet er seinen Sohn. Ein kleines Kind in einer Krippe. Und es wird zum Erlöser der Welt. (So ist Gottes Eingreifen oft nur ganz klein und unscheinbar, aber umso wirkungsvoller.) Diese „Nacht von Bethlehem“ ist seither das Zentrum unserer Zeitrechnung. Sie teilt die Zeit in „vor Christus“ und „nach Christus“. Aus gutem Grund.  Gott hat diese Welt nicht vergessen. Er hat einen Plan –für mich, für Sie, für uns alle. Und genau dazu sandte er seinen Sohn.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und besinnliche und nicht zu hektische Advents- und Weihnachtszeit. Ich wünsche es Ihnen, dass Sie froh miteinstimmen können, wenn wir singen: „Seht, die gute Zeit ist nah…  

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Die kleine Barmherzigkeit

Wissen Sie, was die kleine Barmherzigkeit ist?“, fragte mich vor Kurzem eines meiner Gemeindeglieder.

Ich musste gestehen, dass ich nicht wusste, worauf sie hinauswollte. Deshalb erklärte sie mir, sie habe vor etlichen Jahren einmal eine Führung durch ein Kloster mitgemacht. Dabei hatte die Führerin, als sie in der Klosterkirche beim Chorgestühl standen, vom Alltag der Mönche erzählt, die früher einmal dort gelebt hatten. Dieser Alltag war geprägt von harter Arbeit und strikten Gebetszeiten. Noch spät in der Nacht und wieder früh am Morgen mussten sich die Mönche stehend in der Klosterkirche zum Gebet einfinden. Kein Wunder also, wenn dabei dem einen oder anderen einmal die Augen zufielen und das Stehen beschwerlich wurde.

Deshalb hatten gnädige Holzschnitzer an den hölzernen Chorgestühlen manchmal reich verzierte, kleine Flächen geschaffen, die zwar nicht groß genug waren, um darauf zu sitzen, aber doch gut geeignet, um sich wenigstens ein bisschen daran abzustützen. Diese kleinen Stützbretter nannte man „Misericordien“ oder „Kleine Barmherzigkeiten“.

Und diese Sache mit der kleinen Barmherzigkeit,“ erklärte mir die Frau, mit der ich mich unterhielt, „die hat mich jetzt die ganzen Jahre begleitet. Ich fand das so schön. Seither suche ich überall im Leben nach solchen kleinen Barmherzigkeiten.

Dieses Gespräch hat mich beeindruckt. Jetzt in der Herbst- und Erntedankzeit machen wir uns ja ohnehin Gedanken, worüber wir dankbar sein können. Meistens fallen uns dabei „große“ Dinge ein, wie die gute Ernte, die wir einfahren konnten; Behütung und Bewahrung während der Arbeit; dass wir in einem Land leben, in dem Frieden und Wohlstand herrscht.

Aber es lohnt sich auch, Augen für die „kleinen Barmherzigkeiten“ im Leben zu haben. Also für die Dinge, für die wir dankbar sein können, die wir aber meistens schnell übersehen oder schnell wieder vergessen: Der freundliche Gruß des Nachbarn, der wiedergefundene Autoschlüssel, Blumen am Wegrand, ein leckeres Essen, usw.

Welche „kleinen Barmherzigkeiten“ haben Sie heute schon erlebt?

„Kleine Barmherzigkeiten“ können wir aber nicht nur erfahren, wir können sie auch selbst austeilen. Vielleicht ist es Ihr freundlicher Gruß, der einem Anderen heute zur „kleinen Barmherzigkeit“ wird. Vielleicht ist es Ihr Lächeln oder Ihre spontane Hilfsbereitschaft, die Ihrem Nachbarn den Tag versüßen.

Selig sind die Barmherzigen,“ sagt Jesus in der Bergpredigt, „denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

Wer Augen hat für die „kleinen Barmherzigkeiten“ im Leben, für die es sich lohnt, dankbar zu sein, der lebt positiver und ausgeglichener. Und wer Anderen immer wieder kleine Taten der Liebe und der Freundlichkeit zukommen lässt, der wird auch selbst wieder Barmherzigkeit erfahren. – Von den Menschen und von Gott.

Ich wünsche es Ihnen für den wunderschönen Herbst, den wir gerade erleben, und auch für den kommenden Winter: Dass Sie viele, viele solcher „kleinen Barmherzigkeiten“ im Alltag entdecken und auch selbst für Andere ausüben können!

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Gedanken zum Sommer 2018

O dass ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund,
so stimmt ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund
ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir getan
.“

 

Bestimmt kennen Sie dieses alte Lied aus unserem Gesangbuch (Nummer 330). Jetzt, da es endlich Sommer geworden ist; da die Sonne strahlt und die Natur grünt und blüht; jetzt, da das Obst an den Bäumen und das Getreide auf dem Feld heranwächst und eine gute Ernte verspricht, da kann man leicht mit vollem Herzen in dieses barocke Danklied miteinstimmen.

 

„O dass doch meine Stimme schallte bis dahin, wo die Sonne steht;
o dass mein Blut mit Jauchzen wallte, solang es noch im Laufe geht;
ach wär ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang!“
 

 

Ich muss gestehen, als Kind war mir dieses Lied unheimlich. - Ein Mensch, der tausend Zungen hat und einen tausendfachen Mund, was für eine gruselige Vorstellung!

Später habe ich natürlich verstanden, dass hinter dieser altertümlichen Formulierung der Wunsch steckt, Gott noch viel mehr loben und ihm danken zu können als man das mit einem Mund und mit einer Zunge allein tun kann. Der Sänger wünscht sich, ein ganzer Chor zu sein, der mit lauter Stimme das Lob Gottes in die Welt hinausträllern kann.

 

 „Ihr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir;
ihr schwanken Gräslein in den Feldern, ihr Blumen, lasst doch eure Zier
zu Gottes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein!“

 

Wahrscheinlich muss, so könnte man vermuten, der Mann, der diese Zeilen geschrieben hat, ein sehr glücklicher Mensch gewesen sein. Ein reicher und wohlgenährter Gutsbesitzer vielleicht, der dieses Lied mit Blick auf seine blühenden Ländereien gedichtet hat.

Aber der Schein trügt. Der Dichter dieses Kirchenliedes, der Pfarrer Johann Mentzer (1658 – 1734), war alles andere als vom Glück verfolgt. Er war, als Sohn eines kleinen Beamten, sein Leben lang Pfarrer mehrerer kleiner Gemeinden in Sachsen. Er hat in schwierigen Zeiten gelebt. Von seinen 13 Kindern und 7 Enkeln sind 12 vor ihm gestorben. Einmal musste er innerhalb von drei Wochen viermal am Grab eines seiner Kinder stehen. Ins Sterberegister trug er damals ein: „Ach mein Gott, was tust du einen so schmerzlichen Herzensriss nach dem andern! Doch es sei auch dafür dein Name hochgelobet.“ So einen tiefen Glauben an die Güte und Freundlichkeit Gottes, trotz allen Schmerzes, halte ich für äußerst bewundernswert!

Im Jahr 1704 verlor Johann Mentzer sein gesamtes Hab und Gut, als sein Haus niederbrannte. Zu verzweifeln und den Kopf hängen zu lassen, scheint aber nicht seine Art gewesen zu sein. Stattdessen dichtete er im selben Jahr, quasi auf den Trümmern seines abgebrannten Hauses sitzend, unser Kirchenlied.

 

 „Ich will von deiner Güte singen, solange sich die Zunge regt;
ich will dir Freudenopfer bringen, solange sich mein Herz bewegt;
ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein."

 

Ich denke, wir haben dieses Jahr wieder genug Grund zu Danken und fröhlich zu sein! Die Natur und der Sonnenschein laden uns ein, zum Lob unseres Schöpfers!

Aber noch viel schöner ist es, wenn wir auch in schweren Zeiten und an dunklen Tagen auf Gottes Beistand und seine Barmherzigkeit vertrauen können. Und wenn wir – auch im Leiden – das Danken und das Singen nicht verlernen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen fröhlichen und gesegneten Sommer!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

Gedanken zu Ostern 2018

„Am Abend aber des ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

(Johannes 20, 19)

 

Jesus Christus ist auferstanden!

Der Tod ist besiegt. Das Grab ist leer. Der Heiland ist zu neuem Leben auferweckt. Der Fürst des Lebens hat die Ketten des Todes von sich geworfen. Die Nacht ist zu Ende. Gott hat seinen Sohn herausgerufen aus dem Reich des Todes. Die Welt ist erlöst. Und das Lamm Gottes, das geschlachtet war, trägt den Sieg davon über Sünde, Hölle, Tod und Teufel!

 

Aber was tun seine Jünger?

Haben sie nicht am Morgen den Jubelschrei der Frauen gehört, die vom leeren Grab zurückkamen? Haben sie nicht mit eigenen Augen den Stein gesehen, der zur Seite gerollt war, weil nichts den Auferstandenen im Grab zurückhalten konnte? Erinnerten sie sich nicht an Jesu Worte, dass er nach drei Tagen auferstehen würde?

Stattdessen verschanzten sie sich hinter verschlossenen Türen. Aus Furcht verbarrikadierten sie sich, schlossen sich ein und ließen niemanden an sich heran. Zweifel und Unglaube hinderte sie daran, nach draußen zu gehen und nachzuforschen und Jesus zu begegnen.

Nicht genug also, dass Jesus aus dem Grab hervorgetreten war. Jetzt musste er auch noch die verschlossene Türe seiner Jünger überwinden.

 

Aber auch das tut er!

Plötzlich steht er mitten unter ihnen.

Und sein Gruß vertreibt alle Furcht und allen Zweifel; allen Kleinglauben und alle Unsicherheit: „Friede sei mit euch!

 

Manchmal muss ich denken: Geht es mir nicht oft ganz ähnlich wie den Jüngern? Jesus ist auferstanden – vor 2000 Jahren schon. Seine Auferstehung hat die Welt verändert. Er hat uns erlöst und uns freigekauft von allem, was uns gebunden hat.

 

Und trotzdem verschanzen auch wir uns oft hinter verschlossenen Türen. Wir lassen den Erlöser nicht an uns heran. Zweifel und Angst und Unzufriedenheit lähmen uns. Unsere Alltagssorgen verbauen uns den Blick. Sie nehmen uns die Freude. Sie lassen uns das Wunder von Ostern und unsere teuer erkaufte Freiheit kaum begreifen. Sie hindern uns daran, unser Leben so zu leben, wie unser Schöpfer es vorgesehen hat: Nämlich frei und fröhlich und im Einklang mit ihm.

 

Aber auch unsere Barrieren sind nicht stark genug für den Auferstandenen.

Auch in unsere verschlossenen Häuser und in unsere verriegelten Herzen kann er hineintreten und uns, ganz unverhofft, den Frieden zusprechen. Auch heute noch.

 

Die bekannte Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hat ein Gedicht zu diesem Bibelvers geschrieben. Es ist im Grunde nichts anderes als ein Gebet. – Ein Gebet, dass Jesus auch in ihr Leben hineintreten und seinen Frieden bringen möge:

 

Du, der verschloßne Türen kann durchdringen,

Sieh, meine Brust ist ein verschloßnes Tor,

Zu matt bin ich die Riegel zu bezwingen;

Doch siehst du, wie ich angstvoll steh davor.

Brich ein! brich ein! o komm mit deiner Macht,

Laß Liebe gelten, da gering der Glaube,

O laß mich schauen deine Friedenstaube,

Laß fallen deinen Strahl in meine Nacht!

 

So sprich, mein Vater, sprich denn auch zu mir

O sprich: »Mein Kind, der Friede sei mit dir!«

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein Ostern der geöffneten Türen! – Ein fröhliches, unbeschwertes und friedensvolles Osterfest!

Der Herr ist auferstanden!  -  Er ist wahrhaftig auferstanden!    Halleluja!

 

Ihr Pfarrer

Dominik Frank

 

Gedanken zur Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben  
von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

Jahreslosung 2018

Ein rotes Lämpchen leuchtet auf: Der Motor ist überhitzt. Für kurze Zeit bricht Panik aus.

Ich bin einundzwanzig Jahre alt und mit zwei Freunden unterwegs mit dem Auto über den Balkan nach Griechenland. Mitten im Nirgendwo, zwischen Tirana und Elbasan in Albanien dann die Warnleuchte. Ein Motorschaden hier, das wäre fatal.

Schnell stellt sich aber heraus, dass das Kühlwasser für den Motor leer ist. Destilliertes Wasser haben wir nicht dabei. Also müssen wir notgedrungen etwas von unserem eigenen Trinkwasser einfüllen. Das Warnlicht verschwindet nicht, aber wir können erst einmal weiterfahren.

Selbst in unserer modernen Zeit, mit unserer hoch-komplexen Technik, mit unseren Fortschritten in der Medizin und dem Lebenskomfort, den wir uns erschaffen haben, gilt weiterhin: Ohne Wasser läuft überhaupt nichts. Ohne Wasser kein Leben. – Und nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen sind auf das Wasser angewiesen, selbst Maschinen wie ein Auto brauchen es.

Jesus hat dazu einmal gesagt (in Johannes 4, 13): „Wer vom Wasser trinkt, den wird wieder dürsten.“ Deshalb brauchen wir Menschen ja jeden Tag wieder neue Flüssigkeit zum Trinken. Und wir müssen regelmäßig unsere Pflanzen gießen und regelmäßig unser Kühlwasser nachfüllen. Aber dann sagt Jesus weiter: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.“

Natürlich hat Jesus mit diesem Wasser, dem „lebendigen Wasser“, kein neues Getränk angepriesen, das er vermarkten wollte. (Auch wenn einige Getränkehersteller das später aufgegriffen haben und ihre Spirituosen wie „Aquavit“ oder „Whisky“ wörtlich „Wasser des Lebens“ genannt haben.) Was Jesus meint, ist ein unsichtbares Wasser, das den Durst unserer Seele stillen will. Es ist sein Heiliger Geist, den er uns gibt. Es ist die Beziehung zu unserem Schöpfer, die wir durch den Glauben an Jesus Christus pflegen. Es ist die Gemeinschaft mit Gott und mit unseren Mitmenschen, die wir zum Leben brauchen.

Wer im Glauben an Jesus Christus lebt, der lebt so, wie es unser Schöpfer vorgesehen hat. Und dessen Seele muss nicht mehr Durst haben nach dem, was ihr fehlt, nämlich der Beziehung zu Gott.

Manchmal gehen in unserem Leben auch Warnlämpchen an, wenn unsere Seele zu sehr „auf dem Trockenen sitzt“. Manchmal vergessen wir eben, dass auch unser „innerer Mensch“ Nahrung braucht und dass er verdursten könnte. Dann wird es Zeit, wieder zu der Quelle zu kommen, an der es das lebendige Wasser für uns gibt, ganz umsonst.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Das wünsche ich uns für das neue Jahr 2018: Dass wir immer an Leib und Seele satt sein können; dass keine Warnlämpchen für uns aufleuchten müssen und dass wir immer wieder den Weg zur Quelle des lebendigen Wassers finden werden.

Ihr Pfarrer Dominik Frank