Die Welt retten

Wie könnt ihr es wagen!“ – Mit diesen Worten klagte vor Kurzem die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg die versammelten Staatsoberhäupter beim UNO-Gipfel in New York an. „Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass man das Problem [des Klimawandels] lösen kann, indem man so weitermacht wie bisher!“

 

Das Thema Klimaschutz und Umweltschutz ist seither in aller Munde. Und ich denke, es lohnt, sich gerade jetzt zu Erntedank einmal Gedanken über das eigene Verhalten und die eigene Einstellung in Sachen Umweltschutz zu machen. Wo kann ich Energie einsparen? Muss ich meine Lebensmittel wirklich schon wegwerfen, oder sind sie (auch über das „Verfallsdatum“ hinaus) noch haltbar? Kann ich auch einmal mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto? Usw.

 

Die Bibel berichtet, dass Gott – nachdem er die Erde mit allen Tieren und Pflanzen erschaffen hatte – ihr das Prädikat „sehr gut“ verlieh. Und dann befahl er den Menschen, diese Schöpfung zu bewahren. „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“, heißt es in 1. Mose 1, 28. Deshalb gehört die Rücksicht auf unsere Umwelt immer auch zu unserem christlichen Selbstverständnis dazu. – Wer auf Gottes Erde lebt und die Gaben seiner Schöpfung genießt, der muss auch darauf Acht geben, dass diese Schöpfung nicht zerstört wird.

 

Trotz alledem komme ich manchmal auch ins Nachdenken: Ist es wirklich gerechtfertigt, uns „normale Bürger“ für den Klimawandel verantwortlich zu machen, anstatt die großen Konzerne? – Ist es wirklich meine Autofahrt zum Einkaufen, die die Gletscher schmelzen lässt? Oder ist es wirklich die Kuh im Stall von Hans Müller, die Orkane am anderen Ende der Welt verursacht?

 

Umweltschutz ist gut und wichtig. Aber manchmal führt übereifriger Aktionismus in der Politik (der sich in den Medien gut verkaufen lässt) auch zu sehr zweifelhaften Ergebnissen. Das zeigt auch das kürzlich verabschiedete Agrarpaket unserer Bundesregierung, das unseren Bauern noch weiter den Boden unter den Füßen entzieht. Die grünen Kreuze, die zur Zeit auf vielen Feldern zu sehen sind, erinnern uns an das menschliche Drama, das diese Politik und das dadurch verursachte Höfesterben hervorgebracht hat.

 

Die Welt retten – das muss anders aussehen!

 

Als Christinnen und Christen haben wir einen anderen Weltenretter, der uns ein Vorbild sein soll: Jesus Christus.  -  Trotz aller Ermahnungen und auch mancher harter Rede, hat er immer den Menschen und seine Not gesehen. Und am Ende hat er die Welt erlöst.  -  Nicht vom Plastikmüll oder vom Feinstaub. Aber doch von der Schuld in unseren Herzen und von der Last auf unseren Gewissen. Er hat die Welt nicht äußerlich gerettet, durch laute Reden oder durch medienwirksame Aktionspläne. Aber er hat sie innerlich gerettet, indem er die Menschen versöhnt hat mit Gott, durch seinen demütigen Tod am Kreuz.

 

Denn „also hat Gott die Welt geliebt…“  -  Nicht dass er ein Agrarpaket erlassen hätte oder die polaren Eiskappen am Schmelzen hindern würde. – Sondern: „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden sondern das ewige Leben haben.“

 

Der Glaube an Jesus Christus entbindet uns nicht von der Pflicht, unsere Umwelt zu schützen; aber er verpflichtet uns, dabei unsere Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren. Der Glaube an Jesus Christus rettet nicht in direkter Weise die Bienen vom Aussterben; aber er errettet Sie und mich und gibt uns neues Leben und die Perspektive auf ein Leben in Ewigkeit.  - Und dieses Wissen lässt mich manchmal auch ein bisschen gelassener auf die großen Probleme unserer Welt blicken…

 

Mit diesen Gedanken grüßt Sie herzlich,

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

 

 

Keiner lebt für sich allein!

Keiner lebt für sich allein.“ (nach Römer 14,7.  Tagesspruch des Erntebittgottesdienstes am 30. Juni 2019)

 

Kein Mensch lebt für sich und von sich allein. – Das war das Thema unseres Erntebittgottesdienstes an der Weidenseehütte in Rinderfeld.

 

Laut aktuellen Hochrechnungen leben auf unserem Planeten zur Zeit mehr als 7,6 Milliarden Menschen. – Keiner bewohnt also unsere Erde nur für sich allein! Auch in unseren Ortschaften und in unseren Familien erleben wir es: Wir brauchen die Gemeinschaft. Wir Menschen sind auf einander angewiesen. Und wo Neid, Gier oder Selbstsucht unser Denken bestimmen, da machen wir uns am Ende nur selbst kaputt. Davon handelt auch die folgende Geschichte vom bekannten russischen Schriftsteller Leo Tolstoi. Sie heißt: „Wieviel Land braucht der Mensch?“

 

Ein armer, leibeigener Bauer im Russland des 19. Jahrhunderts bekam von seinem Herrn, einem reichen Großgrundbesitzer, ein großzügiges Angebot unterbreitet: Er dürfe am Abend des nächsten Tages so viel Land sein Eigentum nennen, wie er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu Fuß umrunden könne. Anstatt sich aber maßvoll ein gutes Stück Land auszusuchen, ließ der Leibeigene sich von seiner Gier leiten. Er rannte den ganzen Tag, umrundete hier noch eine saftige Wiese, da noch ein Wäldchen und dort noch einen fruchtbaren Acker. Am Ende des Tages, als er sich gerade noch zu seinem Ausgangspunkt zurückschleppen konnte, brach er vor Erschöpfung tot zusammen. – Alles Land, das er dann noch benötigte, waren zwei Quadratmeter für sein Grab.

 

Freilich, so dumm ist keiner von uns, dass er oder sie vor lauter Gier das eigene Leben verlieren würde. Aber gibt es nicht auch manchmal Situationen, in denen wir uns dumm verhalten? – In denen wir vergessen, dass wir nicht allein auf der Erde sind und dass wir die Anderen brauchen?

 

            Keiner lebt für sich allein.  - Und keiner lebt von sich allein.

 

Unser Leben und alles, was wir dafür brauchen, ist uns von Gott gegeben. Keiner hat sich selbst das Leben geschenkt. Auch die reichsten und mächtigsten Menschen der Welt haben sich nicht selbst zur Welt gebracht. Gott hat uns ins Leben gerufen.  - Und das heißt umgekehrt: Auch das Ende unseres Lebens steht in Gottes Hand. Das ist schwierig zu begreifen, dennoch finde ich es tröstlich. Ich darf wissen, dass meine Zeit in seiner Hand steht. Auch am Ende falle ich nicht aus dieser Hand heraus, sondern sie geleitet mich hinüber, in seine Ewigkeit.

 

Früher war der Bibeltext, der diesem Tagesspruch zugrunde liegt oft der Abschluss der Katechismusstücke im Konfirmationsgottesdienst. Die Jugendlichen legten damit geradezu ein Bekenntnis ab zu dem Herrn, der alle Dinge in seiner Hand hält. – Die guten wie die schlechten. Den Tod wie das Leben. Den Regen wie den Sonnenschein:

 

„Unser keiner lebt sich selber und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“

 

Was braucht nun der Mensch zum Leben? – Es ist letztlich zweierlei: Die guten Gaben, die unseren äußeren Menschen erhalten; die Gott uns schenkt und die die Bauern bald wieder mit Mühe und Arbeit ernten werden – und die wir mit Dankbarkeit ehren und annehmen dürfen.

 

Und zum anderen die geistlichen Gaben der Liebe und der Zuwendung Gottes, wie er sie uns in Jesus Christus zukommen lässt; die unseren inneren Menschen stärken und ernähren – und die uns zubereiten für das ewige Leben.

 

Ich lebe nicht für mich allein. Ich lebe für und mit Anderen. Und für und mit Jesus, meinem Herrn. Für dieses doppelte Geschenk Gottes dürfen wir – gerade jetzt in der Erntezeit – froh und dankbar sein!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

Ostergruß

Eines Tages kam einer,

der hatte eine Klarheit in seiner Stimme,

eine Wärme in seinen Worten,

eine Kraft in seiner Botschaft.“

 

Dieses neue Osterlied haben wir beim Vespergottesdienst an Palmsonntag miteinander gesungen.  (Im neuen Liederbuch Wo wir dich loben Nr 34)


„Eines Tages kam einer…“ – Damit ist natürlich Jesus gemeint. Er trat auf wie kein Anderer vor ihm. Die Menschen horchten auf, als er zu reden begann, denn so etwas hatten sie noch nie gehört. So persönlich hatte noch keiner von Gott geredet. „Sie verwunderten sich über seine Lehre, denn er predigte mit Vollmacht,“ heißt es im Lukasevangelium (4, 32).


Damals wie heute ist die Botschaft Jesu erstaunlich: Er sprach von Gott wie von einem liebenden Vater. Nicht wie von einer abstrakten Idee oder von einem philosophischen Konzept, sondern wie von einer realen Person. Wie von einem Vater, der Ansprüche an seine Kinder stellt, wie sie leben sollen; der aber auch schnell zur Vergebung bereit ist.

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte einen Geist in seinen Taten,

eine Treue in seinen Leiden,

einen Sinn in seinem Sterben.“

 

Aber nicht nur um zu reden kam Jesus und um Wunder zu tun, sondern er kam auch um zu Sterben. Und sein Sterben hatte einen Sinn. Nicht alle hörten seine Botschaft gerne und am Ende ging er sogar in den Tod für sie. Aber gerade im Sterben machte er als Gottes Opferlamm die Vergebung erst möglich. Und versöhnte so Gott und Mensch auf ewig. Und gab sein Leben „als Lösegeld für viele“ (Markus 10, 45).

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte einen Schatz in seinem Himmel,

ein Leben in seinem Tode,

eine Auferstehung in seinem Grabe.“

 

Wir feiern Ostern, weil Jesus Christus nicht im Grab geblieben ist! Weil er den Tod besiegt hat und zu neuem Leben auferstanden ist. So wie auch alle, die an ihn glauben, eines Tages zu neuem Leben auferstehen werden. Deshalb ist Ostern das Fest der Freude! Deshalb tragen alle Christinnen und Christen einen Schatz der Hoffnung in ihrem Herzen. Weil wir wissen, dass der Tod nicht das Ende ist. Und dass Leid und Trauer in diesem Leben nicht das letzte Wort haben werden.

 

Christ zu sein bedeutet Optimist zu sein! Weil wir heute schon wissen dürfen, dass am Ende alles gut wird. Weil unser guter Gott alles gut machen wird!

 

„Eines Tages kam einer,

der hatte eine Freude in seinen Augen,

eine Freiheit in seinem Handeln,

eine Zukunft in seinen Zeichen.“

 

Wer mit dieser österlichen Hoffnung lebt und wer sich anstecken lässt von der christlichen Freude, der ist auch selbst wie einer, dessen Augen vor Glück strahlen können; und der Freiheit hat in seinem Handeln; und der eine Zukunft hat, auf die er getrost zugehen kann.

 

Ich wünsche es uns, dass wir als Gemeinde solche Menschen sind, die die Osterfreude im Herzen spüren und sie auch hinaus in die Welt tragen. Die sich begeistern lassen von dem, was Gott an uns und unserer Welt getan hat. Und die andere Menschen in ihrem Leid besuchen, um ihnen die frohe Botschaft von der Versöhnung und von der neuen Hoffnung zu bringen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank

 

 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ - Jahreslosung 2019 -

Mucksmäuschenstill sitzt der Jäger auf seinem Hochsitz, das Gewehr im Anschlag. Nur das leise Knistern welker Blätter ist zu hören. Die Dämmerung zieht langsam herauf. Es ist kühl im Wald.  - Von all dem spürt der Jäger aber nichts. Sein Blick ist stramm auf den kapitalen Rehbock gerichtet, der da gerade auf die kleine Lichtung getreten ist und beginnt, das Lockfutter zu fressen. Was für eine schöne Beute!

Schon krümmt sich der Finger am Abzug, da horcht der Bock plötzlich auf und ist mit einem gewaltigen Satz wieder im Unterholz verschwunden. – Die Jagd ist misslungen! Das Ansitzen war wieder einmal erfolglos.

 

Wenn wir hinausblicken in die Welt – auf die Kriege und auf die Krisen unserer Zeit; auf das, was schiefläuft in der Politik, in unserer Gesellschaft, in der Kommune oder auch in der Kirche – da könnte man schon manchmal die Hoffnung auf den Frieden verlieren. Warum schaffen wir Menschen es einfach nicht, dass Völker und Nationen, Alte und Junge, Männer und Frauen miteinander in Frieden und Harmonie zusammenleben können?

Vielleicht geht es uns ganz ähnlich, wenn wir auf unser Privatleben schauen: Dass auch da unsere Jagd nach dem Frieden – unsere Anstrengung, unser Suchen, unsere Kompromissbereitschaft, unser Springen über den eigenen Schatten – immer wieder zu scheitern scheint. Da ist der Nachbar, der jedes Mal wieder Streit sucht; Die Tochter, der Bruder oder die Cousine, zu denen es einfach nicht mehr gelingt, einen guten Draht aufzubauen; der Arbeitskollege der einem ständig eins auszuwischen versucht; die Krise in der Ehe, die schon seit Jahren schwelt.

Wer sich mit der Jagd auskennt, der weiß: Es ist normal, dass die Jagd nicht schon mit dreißig Minuten Ansitzen erledigt ist. Jagen bedeutet Arbeit. Sie erfordert Geduld und Durchhaltevermögen (und ein bequemes Sitzkissen).

Wer dem Frieden nachjagt, der braucht auch einen langen Atem.

Jesus wurde einmal von Petrus gefragt: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“ Und Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18, 21+22).

Wie oft haben wir versucht, mit dem Bruder, mit dem wir verstritten sind, wieder Kontakt aufzunehmen? War es siebenmal?

Wie oft haben wir versucht, uns mit dem zänkischen Nachbarn zu vertragen oder den Streit in unserer Ehe beizulegen? – Nicht nur siebenmal sollen wir es versuchen, sondern „siebenmal siebzigmal“ sagt Jesus. Damit meint er: unendlich oft.

 

Warum schaffen wir Menschen es nicht, dauerhaft Frieden mit allen Anderen zu halten – sowohl auf globaler Ebene, wie auch im Privaten? – Letzten Endes schaffen wir es nicht, weil keiner von uns (auch der Beste nicht) ganz frei ist von Selbstsucht und von Egoismus. Und darin liegt der Same der Zwietracht.

Und deshalb ist die Frohe Botschaft des Christentums so wichtig! Auch heute noch! Es ist wichtig, dass Gott uns in Jesus Christus alle unsere Schuld und unsere Fehler und unsere Selbstbezogenheit wegnimmt, die unsere Beziehungen zu Gott und zu unseren Mitmenschen belasten.

Christus ist unser Friede“, heißt es in Epheser 2,14. - Wer Christus hat, der hat quasi seinen Jagdschein in der Tasche. Der weiß, dass er früher oder später, mit ein wenig Geduld und mit Gottes Beistand, den Frieden fangen und erleben wird.

 

Und so wünsche ich Ihnen für 2019: Viel Geduld, Unermüdlichkeit im Versuchen und im Nachjagen des Friedens, Gottes Segen und natürlich: Weidmannsheil!

 

Ihr Pfarrer Dominik Frank