Grundbedürfnisse der Kinder

Das gemeinsame Vesper als tägliches Ritual

 

1. Aufbau von Bindungsbeziehungen

Die Kinder und im Besonderen die Zweijährigen sind auf verlässliche, tragfähige Beziehungen angewiesen, um sich gut zu entwickeln. Durch unsere Zuverlässigkeit, Einfühlsamkeit, Kontinuität und unsere liebevolle Zuwendung erleben die Kinder, dass ihre Äußerungen verstanden werden und innerhalb kurzer Zeit auf vorhersagbare Weise darauf eingegangen wird. Das vermittelt den Kindern Zuversicht und Vertrauen

1.1. Bindung- und Eingewöhnungskonzept

Damit die Kinder sich sicher und geborgen fühlen können, ist es wichtig, von Anfang an eine gute Beziehung aufzubauen und so das Vertrauen der Kinder zu erlangen.

Wenn die Kinder sich das erste Mal in einer fremden Umgebung aufhalten, verhalten sie sich unterschiedlich. Es stellt jedoch für alle Zweijährigen einen Stressfaktor dar, wenn es von seinen bisherigen Bindungspersonen getrennt wird. Deshalb ist es wichtig, einen sanften Übergang zu schaffen und dass Eltern ihr Kind in der Eingewöhnungszeit begleiten. Denn ein abrupter und unbegleiteter Eintritt in den Kindergarten kann zu starker emotionaler Verunsicherung führen und hemmt das Kind in seinem Tun.

Die Eingewöhnungszeit ist sehr wichtig für das Kind und ist ausschlaggebend für die gesamte Kindergartenzeit.

Für die Eingewöhnung gibt es ein spezielles Eingewöhnungsmodell, das sogenannte "Berliner Eingewöhnungsmodell". Dies ist speziell für Kinder unter 3 Jahren entwickelt worden und ist mittlerweile in ganz Deutschland bekannt und wird auch erfolgreich angewendet. Dieses Modell kann auch bei Kindern ab 3 Jahren angewendet werden, hier kann es jedoch variieren, sodass sich die Eingewöhnungszeit verkürzt.

Die Eingewöhnungszeit hängt vom Kind ab, es gibt eine kürzere Eingewöhnung (ca. 6 Tage) oder eine längere Eingewöhnung (2 bis 3 Wochen).

Hier wird das Kind von einem Elternteil oder einer anderen Bindungsperson (nach Absprache) begleitet. Wichtig ist hierbei, dass dies kontinuierlich die gleiche Person ist.

Außerdem bekommt jedes neu einzugewöhnende Kind eine Bezugserzieherin. Das heißt, diese Erzieherin ist in der gesamten Eingewöhnungszeit für das Kind da, sie begleitet und unterstützt das Kind und wird so, zumindest bis das Kind voll integriert ist, seine vorrangige Ansprechpartnerin und Kontaktperson.

Die einzelnen Stufen der Eingewöhnung:

Die Eingewöhnungsphase beginnt mit einer Grundphase. Diese dauert in der Regel drei Tage. In dieser Zeit ist das Kind gemeinsam mit einem Elternteil oder Großelternteil in der Einrichtung. Die Dauer des Aufenthaltes liegt hier zwischen ein und zwei Stunden pro Tag.

Das Elternteil hat hier folgende Aufgabe:

  1. Es ist eher passiv

  2. Es spielt nicht mit dem Kind

  3. Es ist dennoch ein sicherer Hafen für das Kind und ist da, wenn das Kind Schutz und Nähe sucht und drängt das Kind auch nicht von sich ab.

  4. Es sitzt im Gruppenraum, ist sichtbar für das Kind und beobachtet

Die Erzieherin wird vorsichtig Kontakt mit dem Kind aufnehmen. Dies gelingt am Besten über das Spiel. Allerdings drängt sie das Kind nicht. Außerdem beobachtet die Erzieherin das Verhalten des Kindes.

Dann kommt der 4. Tag der Eingewöhnungsphase, dies ist gleichzeitig der 1. Trennungsversuch und wird auch Stabilisierungsphase genannt.

Die gleiche Person wie an den Vortagen bringt das Kind in die Einrichtung. Nach ein paar Minuten verabschiedet sie sich dann vom Kind. Das Elternteil bleibt jedoch in der Einrichtung, aber in einem anderen Raum, sodass es jederzeit dazu geholt werden kann. Das Kind ist allerdings ohne Elternteil im Gruppenraum. Nach ca. einer Stunde kommt das Elternteil wieder in den Gruppenraum zurück und bleibt dann eventuell noch gemeinsam mit dem Kind ein wenig im Kindergarten. Sodass jedoch zwei Stunden am diesem Tag nicht überschritten werden.

Die Erzieherin ist in der gesamten Zeit ganz für das Kind da.

Nach diesem Tag entscheidet sich, wie es mit der Eingewöhnung weiter geht.

Wenn es an Tag vier gut geklappt hat, und das Elternteil nicht frühzeitig geholt werden musste, dann wird dies an Tag fünf und sechs genauso wiederholt. Eventuell verlängert sich sogar die Abwesenheit des Elternteils.

Musste das Elternteil jedoch geholt werden, weil sich das Kind von seiner Bezugserzieherin nicht trösten ließ, verlängert sich die Eingewöhnung. Dann kommt es am nächsten und auch am übernächsten Tag zu keinem weiteren Trennungsversuch. Das heißt, dass das Elternteil nochmals mindestens zwei Tage gemeinsam mit dem Kind für ca. 2 Stunden im Gruppenraum ist. Frühestens nach drei Tagen wird ein weiterer Trennungsversuch gemacht. Diese Trennungszeit wird dann täglich gesteigert.

Anschließend kommt die Schlussphase. Hier hält sich das Elternteil nicht mehr in der Einrichtung auf, es ist jedoch jederzeit erreichbar und kann schnell in die Einrichtung kommen, wenn es nötig ist.

Die Eingewöhnung ist dann beendet, wenn sich das Kind von der Erzieherin in jedem Fall trösten lässt. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn das Elternteil geht und das Kind freudig bei de Erzieherin bleibt, oder auch wenn das Kind zu weinen beginnt, sich dann aber schnell von der Bezugserzieherin trösten lässt.

Bei diesen Tagesangaben wird davon ausgegangen, dass die Eingewöhnung an einem Montag statt findet. Sollte allerdings zwischen dem 3. und 4. Tag ein Wochenende liegen, verlängert sich die Eingewöhnung um mindestens einen Tag, sodass dann das Elternteil am 4.Tag (dann wäre dies ein Montag) auch noch gemeinsam mit dem Kind im Gruppenraum bleibt. Alles wird dann um einen Tag nach hinten verschoben, denn gleich nach einem Wochenende startet man keinen Trennungsversuch, dies könnte für das Kind eine erhöhte Belastung bedeuten, da es zwei Tage nicht im Kindergarten war.

Kurzübersicht:

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Tag

Wie lange bleibt man im Kindergarten

Wer bleibt im Kindergarten

Aufgabe der Eltern (Bindungsperson)

Aufgabe der Erzieherin

1.-3.Tag

 

Grundphase

1 bis 2 Stunden

Es bleibt ein Elternteil oder ein Großelternteil (je nach Absprache)

Gemeinsam mit dem Kind

- eher passiv

- spielt nicht mit dem Kind

- sicherer Hafen für das Kind

- ist für das Kind da, wenn es Schutz und Nähe braucht

- sitzt und beobachtet

-nimmt vorsichtig Kontakt auf, am besten über das Spiel

-beobachtet das Verhalten des Kindes

4.Tag

 

1.Trennungs-versuch

Stabilisier-ungsphase

1 bis 2 Stunden

Kind allein im Gruppenraum

 

Elternteil in anderem Raum

- kommt und bringt das Kind

- verabschiedet sich

- geht in einen extra Raum und kommt nach ca. einer Stunde wieder

Sie ist ganz für das Kind da

5.Tag

 

2.Trennungs-versuch

Oder

Wiederholung der Grundphase

2 Stunden

Wenn es am Tag zuvor geklappt hat, verläuft es wie am 4. Tag

 

Wenn es an Tag 4 schwierig war, bleibt Elternteil und Kind im Gruppenraum

Entweder wie am 4.Tag

 

oder

 

wie bei der Grund-phase

Sie ist ganz für das Kind da

6.Tag

 

2 Stunden

Entweder wie an 5. Tag

 

Oder

 

Gemeinsam mit dem Kind

Siehe 5.Tag

 

Sie ist ganz für das Kind da.

7.-12.Tag

 

 

Schluss-phase

Länger

 

Oder 4. Tag wird wiederholt

Elternteil verlässt die Einrichtung und Kind bleibt alleine

 

Oder

 

Elternteil verabschiedet sich, bleibt jedoch in der Einrichtung

Ist jederzeit erreich-bar

 

Oder

 

Siehe 4.-7. Tag

Sie ist ganz für das Kind da.

Wichtig ist, dass das Elternteil jederzeit erreichbar ist und schnell in die Einrichtung kommen kann.

 

2. Sicherheit

Die Aufsichtspflicht wird von uns wahrgenommen. Da es aber unser Ziel ist, die Kinder selbständig werden zu lassen, müssen sie lernen, mit Grenzen und Gefahren umzugehen. Wir geben den Kindern klare Regeln vor, innerhalb derer sie aber auch den nötigen Freiraum haben (z.B. alleine in einem Raum/draußen spielen). Dieser Freiraum kann erweitert (bei älteren Kindern) oder auch eingegrenzt werden. Wiederkehrende Rituale wie der tägliche Morgenkreis, das gemeinsame Vesper und die Wiederholungen im Wochenablauf (Turnen, Wandertag, Vorschule) geben den Kindern Sicherheit und vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit.

3. Geborgenheit

Wir vermitteln den Kindern Geborgenheit in der Zuwendung, durch die Sprache, körperlichen Kontakt, kindgerechte Räume, wiederkehrende Rituale und durch die Schaffung einer willkommenen und ansprechenden Atmosphäre.

4. Essen, Trinken und Hygiene

Wir haben ein gemeinsames Vesper, das es den Kindern ermöglicht, in einer ruhigen, geregelten und gestalteten Umgebung zu essen und zu trinken. Die Kinder erhalten von uns dabei Unterstützung zur Selbständigkeit. Vor dem Essen waschen wir die Hände. Wir bieten den Kindern täglich entweder ungesüßten Tee oder Sprudel zum Trinken an. Wir achten auf gesundes Vesper. Wir sprechen gemeinsam ein Tischgebet. Hygiene bei Tisch, das Einüben von Tischmanieren und die gegenseitige Rücksichtnahme werden so beim gemeinsamen Vesper gelernt.

5. Beziehungsvolle Pflege

Einfühlsame Körperpflege ist ein wichtiger Teil unserer pädagogischen Arbeit, die nur von der jeweiligen Bezugserzieherin durchgeführt wird.

Viele Zweijährige brauchen noch eine Windel, wenn sie in den Kindergarten kommen. Denn das Erlangen der Kontrolle über Blase und Schließmuskel unterliegt Reifungsprozessen, die mit anderen Entwicklungsschritten vernetzt sind. Der Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, Sättigungsgefühl und Blasen- und Darmentleerung sind Körpergefühle die sich zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr entwickeln. Da wir um diese wichtigen Zusammenhänge wissen, achten wir genau auf die Körpersignale des Kindes. Wir bedrängen das Kind nicht, seine Windel abzulegen. Wenn das Kind Initiative entwickelt, seine Windel abzulegen, "sauber" werden möchte, die Toilette erkundet, unterstützen wir das Kind darin. Denn die Kontrolle über Darm und Blase ist etwas sehr Persönliches und Intimes, und deshalb ist Zwang und Druck fehl am Platz.

5.1. Wickelsituation

Gerade die Situationen des Wickelns sind für uns wichtige Momente, in denen eine intensive Interaktion zwischen der Erzieherin und dem einzelnen Kind stattfindet, deshalb nehmen wir uns ausreichend Zeit dafür. Wir haben in unserem Waschraum einen schön gestalteten, abgeschirmten Wickelplatz. Die Kinder können durch eine ausfahrbare Treppe selber auf den Wickeltisch steigen. Sie haben eine eigene Wickelkiste, die die Eltern mit den entsprechenden Pflege- und Wickelutensilien bestücken.

Das Wickeln selber wird nur von der jeweiligen Bezugserzieherin in ruhiger, angenehmer Atmosphäre gestaltet, bei der wir das Kind unterstützen uns zu helfen. Wir begleiten unser Tun sprachlich. Wir ermuntern die Kinder, die Toilette spielerisch zu nutzen und vertrauen darauf, dass das Kind uns zeigt, wenn es keine Windel mehr haben möchte. Durch den sensiblen Umgang beim Wickeln spürt das Kind Geborgenheit und so gelingt es uns unsere emotionale Beziehung zum Kind in positiver Weise auszubauen.

6. Ruhe und Bewegung

Wir geben den Kindern Raum zur Bewegung. Wir gestalten die Räume so, dass die Kinder zur Bewegung angeregt werden, sich aber auch bei Bedarf zurückziehen und Ruhe genießen können. Die Räume des Kindergartens sind übersichtlich, kindgerecht und in Spielecken eingeteilt. Die Kinder dürfen frei wählen, wo und mit wem sie spielen möchten. Die Halle und auch der Außenspielbereich ist immer für vielfältige Bewegung da. Auch der Stadtpark oder unser Wandertag am Mittwoch bieten viel Gelegenheit zum Bewegen.

7. Förderung

Wir geben den Kindern durch unsere pädagogische Planung Anregung zur Bildung und Entwicklung. Durch unsere ganzheitliche Förderung (Sprache, soziale Erfahrungen, christliche Rituale, Umwelt- und Sachbegegnungen, musisch-kreative Erfahrungen, Bewegungsfreiraum, Experimente) geben wir den Kindern Anreize und Befriedigung ihrer Bedürfnisse nach Neugierde, Eroberung und Bewältigung ihrer Welt.

8. Hoffnung

Durch unsere christliche Grundeinstellung geben wir den Kindern Orientierung und Sicherheit. Wir vermitteln durch das Erzählen und Vertiefen der christlichen Tradition kulturelle Inhalte und bieten so soziale und moralische Orientierung.