Geschichte der St. Bonifatius-Kirche

Namenspatron der Kirche ist der Heilige Bonifatius, der als Mönch und Bischof eine entscheidene Rolle bei der Christianisierung der Germanen gespielt hat. Bonifatius war ab 716 als Missionar auf im Gebiet des heitigen Deutschlands tätig, seine Gebeine wurden im von ihm gegründeten Kloster Fulda beigesetzt.

 

St. Bonifatius von Süden

Ein Schenkungsbuch des Klosters Fulda aus dem 12. Jh. erwähnt die Schenkung von Besitzungen an das Kloster, unter anderem auch in "Superio Stetin, wo die Kirchen gebaut ist". Die Schenkung ist nicht datiert, Indizien verweisen aber auf eine sehr frühe Zeit, möglicherweise um das Jahr 800 herum.

Vier Steine an der Südostecke des Kirchenschiffes lassen auf ein sehr hohes Alter schließen, die stark verwitterten Steinfratzen weisen zurück in die Zeit der Romanik.

 

Das heutige Kirchengebäude ist das Ergebnis einer längeren Baugeschichte in der Romanik und Gotik. Die dicken Mauern und der "kleine Turm" lassen noch heute deutlich die mittelalterliche Bestimmung als Wehrkirche erkennen.

Der Innenraum der Kirche

An der Nordwand des Kirchenschiffes, im Altarraum und um die Kanzel herum finden sich Wandmalereien, die vermutlich aus gotischer Zeit stammen. Sie wurden 1908 entdeckt, aber erst 1964-1966 in der jetzt zugänglichen Gestalt freigelegt.

 

Erstaunlich ist, dass in dieser seit ca. 1540 evangelischen Kirche ein barocker Hochaltar seinen Platz fand, den man eher in einer katholischen Kirche vermuten würde. Wann und von wem er geschaffen wurde und wie er den Weg nach Oberstetten fand, konnte bisher nicht geklärt werden. Es wird jedoch vermutet, dass er bei der Renovierung von 1722 aufgestellt wurde, von der ein Schlussstein im Bogen über dem Chorraum zeugt.

Der Taufstein trägt die Jahreszahl 1578, auf der Spitze des Deckels stehe eine Figur des Täufers Johannes. Die deutsche Übertragung der alten lateinischen Überschrift lautet:

 

"Zur Taufe an den Jordan kam das unbefleckte Gotteslamm, nahm auf uns unsere Schuldenzahl, für uns zu büßen allzumal."

 

Am Fuß des Steins befindet sich sowohl das Rothenburger als auch das Hohenloher Wappen. Oberstetten gehörte von 1422 bis 1803 zur freien Reichsstadt Rothenburg o.T., darum wurde die Reformation hier auch bereits um das Jahr 1540 vollzogen. Die benachbarten Herren von Hohenlohe hatten aber ebenfalls einen Anspruch auf die Kirchengemeinde Oberstetten und sich das Recht bezüglich der Pfarrei vorbehalten. Dies wurde nach einem Konflikt 1604/05 dadurch gelöst, dass Rothenburg sich alle Rechte an der Pfarrei erkaufte.